Calcutta: Indiens heißes Herz
Glaubt man denen, die nie da waren, ist es geradezu die Hölle auf Erden. Diejenigen aber, die ihr nahegekommen sind, nennen Calcutta eine der faszinierendsten Metropolen der Erde – vielleicht das einzig funktionierende Chaos der Welt, eine Stadt, deren heißes Herz noch jedem Infarkt getrotzt hat.
1. Tag: Ankunft in Calcutta am frühen Morgen. Transfer zum Hotel. Nachmittags sammeln Sie erste Eindrücke von Calcutta. Die Stadt wurde 1698 von der Englischen Ost-Indien- Kompanie als Handelsposten gegründet und war von 1858 bis 1911 Sitz der britischen Regierung in Indien. Calcuttas bekanntestes Monument, das Victoria-Memorial, ist eine der englischen Königin Victoria gewidmete kitschige Torte aus weißem Marmor am Rand des Maidan-Parks. Calcuttas grüne Lunge ist vor allem sonntags Spielplatz Dutzender Fußball-und Cricket-Teams. Nahe der 48 Meter hohen Säule des Shaid Minar sammeln sich – ähnlich wie im Londoner Hyde Park – all jene, die glauben, predigen zu müssen: gerissene Politiker, streitbare Gewerkschafter, kauzige Poeten, gewiefte Scharlatane, armselige Gaukler, gnadenlose Spinner und unverbesserliche Weltverbesserer.
2. Tag: Morgens geht es zum Zentrum der City, dem BBD Bagh, den das ziegelrote "Writers Building" beherrscht, in dem einst die Schreiber der East India Company logierten. Gleich nebenan lohnt ein Blick auf den Trubel im imposanten Kuppelbau der Hauptpost. Calcutta ist ein lebendiges Verkehrsmuseum. Von Männern gezogene Rikschas, die noch Anfang des 21. Jahrhunderts in der Innenstadt unterwegs waren, findet man nur noch in wenigen Vierteln. Es mag für uns Europäer unvorstellbar sein, sich in einer Rikscha chauffieren zu lassen, aber die Rikscha-Männer sind über jeden Fahrgast froh. Lange vor Delhi hatte Calcutta die erste moderne U-Bahn und schon seit 1902 fährt die einzige Straßenbahn des Landes. Busse, vom Minibus bis hin zum riesigen Doppeldecker, Pferdekutschen, Ochsenkarren, Fahrrad-Rikschas und Autos – vom historischen Rolls Royce bis zum neuesten Mercedes – tragen zum berüchtigten Verkehrs-Chaos der 15-Millionen-Stadt bei.
Am Nachmittag können Sie das Werk von "Mutter Teresa", Calcuttas bekanntester Frau, kennenlernen. Der Orden der 1997 gestorbenen Friedensnobelpreis-Trägerin kümmert sich vor allem um Kranke, Sterbende und um Kinder. Als erster Vertreter der Dritten Welt wurde 1913 das Universalgenie Rabindranath Tagore – Dichter, Musiker, Maler, Sänger, Schauspieler und Philosoph – mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Sein Geburtshaus ist heute Museum mit einer Dokumentation über den großen Sohn der Stadt. Nicht weit entfernt erinnert der Marmor-Palast von 1855 an Glanz und Gloria der Handelsmetropole. In dem Privatmuseum, ist neben vielen anderen Meisterwerken ein echter Rubens zu bewundern. Auch der reich verzierte Jain-Tempel zeugt von Wohlstand. Die Religion der Jains verlangt strenge Askese, zugleich sind ihre Anhänger fast immer schwerreiche Geschäftsleute.
3. Tag: Zentrum der regen Intellektuellenszene ist das Uni-Viertel um die College Street. Im legendären, etwas heruntergekommenen, aber immer noch viel besuchten "Indian Coffee House" sind viele Promis aus Kunst, Wissenschaft und Kultur Stammgäste. Wenige Meter weiter, ist zu erleben, wie fest verwurzelt Calcuttas hinduistische Traditionen sind. Kali, die furchterregende Göttin, die der Stadt auch den Namen gab, ist allgegenwärtig. Im Viertel Kumar Tuli lebt ein ganzer Berufszweig von diesem Kult: Aus Schlamm und Stroh formen die Handwerker riesige Statuen, die später bunt bemalt werden. Sie zieren Häuser und Tempel und werden bei religiösen Festen nach feierlicher Prozession im Fluss versenkt.
Die kühne Eisenkonstruktion der Howrah Bridge überspannt ohne einen einzigen Stützpfeiler im Wasser den Hooghly und ist wahrscheinlich die meistbefahrene Brücke der Welt – rund eine Million Pendler wechseln hier täglich die Seiten. Unter der Brücke gibt es einen riesigen Blumenmarkt. Von hier aus kann man auch gut sehen, wie gläubige Hindus an den Badetreppen ihre Rituale verrichten und wie sich schwergewichtige Catcher aufs Kreuz legen. Jetzt lohnt noch ein Blick in den Howrah-Bahnhof, wo rund um die Uhr eine wahre Völkerwanderung startet. Nächstes Ziel ist der Dakshinewar-Tempel, wichtigster Pilgerort der Kali-Verehrer. Weiter geht’s nach Belur Math, Tempel der Ramakrishna Mission, der Stilelemente aller Weltreligionen vereint. Im Mittelpunkt der von dem Philosophen Swami Vivekenanda verbreiteten Lehre stehen Toleranz und Koexistenz der verschiedenen Bekenntnisse. Während Sie mit der Fähre auf das andere Fluss-Ufer zurückkehren, bieten sich gute Aussichten auf die Howrah-Bridge. Übernachtung.
4. Tag: Morgens Besuch des Botanischen Gartens. Dann fahren Sie zum alten Kali-Tempel am Kalighat (im ältesten Teil Calcuttas). Hier finden sogar noch Blutopfer statt. Anders als zu den Zeiten der gefürchteten Thug-Sekte müssen keine Menschen ihr Leben lassen, sondern schwarze Ziegen. Gleich nebenan finden Sie das von Mutter Teresa gegründete „Sterbehaus“, ein Hospiz für die Ärmsten der Armen. Dieses enge Nebeneinander unterschiedlichster Religionen und Weltanschauungen, kann als einer der beeindruckendsten Erfahrungen Calcuttas, wenn nicht ganz Indiens gelten.
5. Tag: Ganztägige Besichtigungstour auf den Spuren europäischer Kolonialmächte an den Ufern des Hoogly. Serampore war von 1699 bis 1845 ein dänischer Handelsposten. Hooghly wurde 1537 als portugiesische Kolonie gegründet und später den Briten übereignet. Hauptsehenswürdigkeit ist hier die große Hooghly Imambara (Moschee) aus dem 19. Jahrhundert. Von Bandel aus betrieben ab 1580 die Portugiesen einen regen Sklavenhandel. 1632 zerstörte Mogul Sha Jahan (Erbauer des Taj Mahal) den blühenden Ort und die Kirche „unser lieben Frau von Bandel“ aus dem Jahr 1599. Die Kirche wurde später wieder aufgebaut und ist heute ein viel besuchter katholischer Wallfahrtsort. Die eindrucksvollsten Erinnerungen an die europäischen Kolonialzeit findet man in Chandanagore, von wo aus die Franzosen ab 1673 den Briten in Indien heftige Konkurrenz machten.
6. Tag: Da Sie sich bereits ein wenig in Calcutta auskennen, sollten Sie nachmittags auf eigene Faust losziehen. Zum Beispiel können Sie sich an der Jawaharlal Nehru Road (der legendären Chowringee) vom schillernden Warenangebot überzeugen. Vor allem Lederwaren kann man hier gut und preiswert kaufen. Außerdem Schmuck, Seide und Antiquitäten. Abends können Sie die vielfältige Kulturszene Calcuttas kennen lernen.
7. Tag: Am letzten Tag Ihres Aufenthalts lernen Sie eine ganz andere Seite der Stadt kennen: das Calcutta der High Society. Sie besuchen einen der typischen Clubs britischer Prägung. In den großzügigen Anlagen lässt sich herrlich entspannen und das Clubleben beobachten. Abendessen
im Club. Übernachtung.
8. Tag: Transfer zum Flughafen Calcutta. Rückflug oder Anschluss-Programm.
| Calcutta - Indiens heißes Herz | ||||||||||
| Leistungen | 8-tägige Individualreise ab/bis Calcutta. Preise pro Person in €. Unterkunft in den genannten oder gleichwertigen Hotels mit Frühstück. Reiseprogramm und Transfers wie beschrieben im klimatisierten Fahrzeug mit Chauffeur, lokale englisch-, wenn möglich deutschsprachige Reiseleitung, Eintrittsgelder (Ausnahme: Eintrittsgelder für den Club in Calcutta). Mindestteilnehmerzahl: 2 Personen. DZ= Doppelzimmer, EZZ= Einzelzimmer-Zuschlag | |||||||||
| Saisonzeiten | Oberoi Grand | The Park | Peerless | Lytton | ||||||
| DZ | EZZ | DZ | EZZ | DZ | EZZ | DZ | EZZ | |||
| 16.04.11 - 30.09.11 | a. A. € | a. A. € | 912 € | 558 € | 912 € | 558 € | 889 € | 398 € | ||
| 01.10.11 - 15.04.12 | 1.086 € | 770 € | 990 € | 670 € | 851 € | 450 € | 789 € | 411 € | ||
| 16.04.12 - 30.09.12 | 1.010 € | 700 € | 847 € | 526 € | 851 € | 450 € | 824 € | 375 € | ||
| Achtung: | Preise über Weihnachten und Neujahr, sowie obligatorischer Aufpreis für spezielle Weihnachts- und Silvester-Menüs auf Anfrage. Begleitende deutschsprachige Reiseleitung auf Anfrage.
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