extra 3: Musik, die aus der Tiefe kommt
extra 3: Musik, die aus der Tiefe kommt
Der Name ist Konzept – extra 3 – durchgegoren, ohne pappige Restsüße – spielt dieses Trio auf: ohne Rücksicht auf stilistische Grenzen, aber eindeutig in der Tradition des Jazz, wobei vor allem die Spielarten des sogenannten modernen Jazz überwiegen. Schließlich entstanden Stilrichtungen wie Bebop und Cool schon vor mehr als einem halben Jahrhundert und die Befreiungsbewegung des Freejazz sowie die Fusionsbestrebungen des Rocksjazz dürfen heute ebenfalls schon historisch genannt werden.
Die Musiker von extra 3 sind keine Youngster, sondern haben sich seinerzeit in den jeweils angesagten Richtungen geübt. Heute schöpft ihre Musik aus all diesen Erfahrungen, fließt in spontanen Improvisationen zusammen.
extra 3 spielt keine Nummern, sondern ist eine Nummer für sich. Hier gibt es keine detailliert vorgeplanten Stücke, schon gar keine Coverversionen – ausgehend von der Erkenntnis, dass den endgültigen Aussagen der Großmeister sowieso nichts mehr hinzufügen ist. Die Musik von extra 3 entwickelt sich jedes Mal neu, wobei auch seit langem erprobte Motive und Versatzstücke jeweils durch neue Kontexte und frisch erfundene Entwicklungen immer wieder neu formuliert werden. So verdichtet sich eine Tonfolge einmal als elegisches Balladenmotiv und wird das nächste Mal zum Vehikel für eine wahnwitzige Tour de Force. Und immer wieder verlassen die Musiker den Hauptweg, um auf verschlungenen Nebenpfaden wieder zueinander zu finden.
Dass den Zuhörern oft nicht klar ist, dass sie Zeugen einer frei improvisierten Gestaltung werden, zeugt vom hohen Grundkonsens der beteiligten Instrumentalisten und der langen Vertrautheit mit der Sprache der Kollegen. Kein Wunder, schließlich besteht extra 3 in der exakt gleichen Besetzung bereits seit 20 Jahren, und in anderen Konstellationen haben die einzelnen Exponenten schon früher ihre Erfahrungen mit einander gemacht. So waren der Bassist Mathias Boje und des Saxfonist Hans-Jörg Hussong Ende der 60-er Jahre die treibenden Kräfte der Avantgarde-Formation Total Music Association, mit der sie 1971 die hochgelobte LP „Walpurgisnacht“ aufnahmen. Schlagzeuger Willi Schneider hatte mit Jazz und Fusion sowie neuer Musik Erfahrrungen gesammelt, bevor es ihm zu Beginn der 80er Jahre gelang, Hussong, der zwischenzeitlich das Saxofon in die Ecke gestellt hatte, zu reaktivieren. Nach Experimenten mit verschiedenen Besetzungen von bis zu sieben Musikern, kristallisierte sich das Trio schließlich als ideale Formation heraus.
Einzelpersönlichkeiten prägen das Klangbild: Jeder der drei steuert seinen eigenständigen Stil bei: Willi Schneider markiert mit seinem volltönenden Drumset und seinem fein abgestimmten Beckensatz das rhythmische Gerüst und zeigt, dass ein guter Schlagzeuger kein Hau-Drauf sein muss, sondern gerade in leisen Momenten besondere Intensität aufzubauen und zu halten weiß. Auch der Bassist Matthias Boje hält nichts von akrobatischer Virtuosität. Er spielt sein Instrument bassgerecht – tiefgrundig, kantig und bleibt das harmonische Zentrum des Geschehens. Hans-Jörg Hussong konzentriert sich auf das eher selten eingesetzte Baritonsaxofon, was den Klang des Trios eindeutig definiert. Musik, die aus der Tiefe kommt, die bodenständig bleibt, auch wenn sie sich jede Menge Freiheiten erlaubt – ein Abenteuer für Akteure und für das Publikum, die Chance, zu erleben, wie Musik gemacht wird, buchstäblich von Hand und ohne Tricks und doppelten Boden.





