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Indien

Oyster Opera: Alltag im Schlaraffenland

Austern à la carte, Muscheln satt, fangfrischer Fisch und Meeresfrüchte wie im nobelsten Feinschmecker-Tempel - stilvoll aufgetischt auf Bananenblättern: Hausmannskost im Oyster Opera Resort in Südindien. Nicht nur die Küche ist einzigartig. Das neue COMTOUR-Projekt wird von Fischerfrauen geführt, die den Gästen Einblicke in den Alltag ihres traditionellen Familienlebens gewähren.

 

Fischerboote
Anfahrt zum Floating Cottage

Kerala, Indiens Musterländle im äußersten Südwesten des Subkontinents gilt heute weltweit als touristischer Senkrechtsstarter. Bereits mit der Landung des Portugiesen Vasco da Gama bei Calicut im Mai 1498 wurde das Tor zu den Schätzen Indiens geöffnet, doch bis Mitte der 90-er Jahr des 20. Jahrhunderts war die Region ein absoluter Geheimtipp. Dies gilt noch heute für den Norden des Bundesstaates: Malabar wird die Gegend zwischen Calicut und Bekal an der Grenze zum Nachbarstaat Karnataka genannt.

Der Norden Keralas ist seit altersher muslimisch geprägt - schon vor der Ankunft der Europäer unterhielten arabische Händler an der Malabar-Küste florierende Handelsposten. Die hier Moplas genannten Muslime halten nichts von fundamentalitischem Eifer, sondern leben in Harmonie mit ihren hinduiistischen und christlichen Nachbarn. Wie in  ganz Kerala legen die Eltern großen Wert auf gute Schulbildung, die Voraussetzung für eine erfolgreiche Karriere. Zugleich stehen religiöse und gesellschaftliche Traditionen hoch im Kurs und Ausländer wundern sich, wie harmonisch hier Tradition und Fortschritt einander ergänzen.

 

Landcottage
Zeremonie
Blick aus dem Hochcottage

 

 

Das Oyster-Opera-Projekt ist ein gutes Beispiel dafür. Die Frauen mehrerer Fischerdörfer betreiben das Resort. Sie tragen so zum Einkomen der Familien bei und verschaffen sich Abwechslung vom ewigen Gleichmaß des ländlichen Lebens. Viele Männer verbringen nur wenige Wochen im Jahr bei ihren Familien, die meisten arbeiten im Ausland.

Die Frauen sind Mitglieder einer Genossenschaft, die von Gul Mohammed gegründet wurde. Der war 1996 mit der Idee aus dem Golf zurückgekehrt, die Austern- und Muschelzucht in Kerala zu etablieren. Inzwischen hat die Genossenschaft 3500 Mitglieder, darunter 2600 Frauen. Während die Männer das Jahr über in Dubai, im Oman oder anderswo ihr Geld verdienen, züchten, ernten und vermarkten zuhause die Frauen Austern und Muscheln.

 

Ein Hochcottage
ein Floating Cottage
und drei Landcottages stehen den Gästen zur Verfügung

 

Haupt-Erntezeit ist im Sommer und was die Frauen in den anderen Monaten aus den Zuchtanlagen herausholen reicht für den Eigenbedarf und ein paar Gäste.

Weil die beste Haupt-Reisezeit für Kerala zwischen Oktober und April liegt, kamen die Frauen auf die Idee, ausländische Gäste einzuladen. Sie nahmen Kontakt mit dem COMTOUR-Büro in Keralas Hauptstadt Trivandrum auf und luden Geschäftsführer Soman und dessen Sohn Sujith ein, sich vor Ort von den Möglichkeiten zu überzeugen. Die beiden waren schnell begeistert. Gemeinsam suchten sie den idealen Platz für ein Resort und fanden ihn auf der Backwater-Insel Padanna in der Nähe des Städtchens Cheruvathur.

Sujith, der in Bangalore Hotel-Management studiert und danach ein halbes Jahr in einem deutschen Zwei-Sterne-Restaurant Erfahrungen gesammelt hat, entwarf Bauplan und Ausstattung der Wohneinheiten: Drei schlicht aber geschmackvoll ausgestattete Bungalows aus regionalem Baumaterial – Laterit-Steinen, Bambus, Palmholz – am Rande der Backwaters, dazu ein schwimmendes Bambus-Häuschen und ein auf Stelzen thronendes „Hochhaus“ mit fantastischem Blick über die Landschaft stehen für Gäste zur Verfügung.

Die Gastgeberinnen sorgen für das Essen, bei dem natürlich ausschließlich regionale Produkte auf den Tisch kommen, halten die Zimmer sauber und organisieren Bootstouren und Fahrrad-Ausflüge oder Besichtigungen in der Gegend.

 

Innenansicht vom Floating Cottage
und vom Landcottage
Ökodusche

Die Backwaters von Nordkerala sind mindestens so bezaubernd wie diejenigen südlich von Cochin, aber auf jeden Fall nicht so überlaufen. Die Menschen hier züchten verschiedene Muschelarten und Austern. Sie haben besondere Erntemethoden entwickelt, die sie den Gästen gern zeigen und auf Wunsch sogar beibringen. Den ganzen Tag über kann man ringsum auf den Backwaters verschiedenste Aktivitäten beobachten. Fischer legen Netze zwischen den Booten aus und treiben die Fische in die Falle, indem sie mit dem Ruder aufs Wasser schlagen und an die Bordwand trommeln. Andere werfen Angeln aus, wieder andere fangen Fische mit der bloßen Hand. Frauen beschweren ihre Köpfe mit Sandsäcken oder wassergefüllten Töpfen, um abzutauchen und Muscheln, Austern und Shrimps aus der Tiefe zuholen.

 

Wer im Ozean baden will, hat es nicht weit und kann sich mit dem Boot an den nahen Valiyaparamba-Strand bringen lassen, wo sich die Backwaters zum Meer öffnen. Dort haben die Gäste Sand und Sonne exklusiv für sich hat. Nur eine Autostunde vom Resort entfernt liegt das Bekal Fort. Die größte Befestigungsanlage an der Küste von Kerala stammt aus der ersten Häfte des 17. Jahrhunderts und diente einst Tipu Sultan, dem Tiger von Mysore, als Festung, Munitions- lager und angeblich auch als Teststation für den Einsatz raketenähnlicher Waffen.

 

Bei einem Ausflug zum Ananthapura Lake Tempel auf einem Hügel bei Kumbla können Besucher die ungewöhnliche Holzarchitektur eines Hindu-Heiligtums inmitten eines Sees bewundern und den Wahrheitsgehalt einer Legende überprüfen, wonach im Tempelteich ein uraltes Krokodil leben soll, das sich ausschließlich vegetarisch ernähre.

 

Ganz und gar nicht vegetarisch lebt dagegen die Gottheit des Parassinikkadavu-Tempels bei Kannur. Dort wird Sri Mutthapan verehrt. Mutthapan bedeutet Großvater, und dieser göttliche Opa hat (zumal für Hindus) absolut unheilige Gelüste: Alkohol und Fleisch oder Fisch. In diesem Tempel wird fast jeden Abend das Theyyam-Ritual zelebriert, in dessen Mittelpunkt dramatische Dämonenbeschwörungen udn Opfertänze mit Feuer und effektvollen Kostümen stehen.

 

Schminkvorbereitung
Zuschauer
Theyyam Zeremonie

Nordkerala ist die Heimat des Theyyam: Wer sich ein paar Tage in Oyster Opera aufhält, hat gute Chancen, einen solchen farbenprächtigen Beschwörungskult mitzuerleben. Nicht entgehenlassen sollte man sich eine Bootsfahrt durch die nächtlichen Wunderwelt der Backwaters - vor allem bei Mondlicht ein romantisches Erlebnis, Krönung einer Stippvisite in einer traumhaften Gegend bei gastfreundlichen Menschen, die uns zeigen wieviel wenig sein kann.

 

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